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Tantum Stories

Dein Produkt ist nicht perfekt? Das kannst du machen!

Verfasst von Bernhard-Stefan Müller | Aktualisiert am

„Hilfe!!! Mein Produkt ist noch nicht perfekt, so kann ich das doch niemals verkaufen“

Immer wieder werden mein Team und ich von verzweifelten Gründer/innen konsultiert. Das Unternehmen ist gegründet, man hat das gesamte Ersparte eingesetzt und nun hat man ein Produkt, das noch nicht perfekt ist.

Das Geld reicht aber nicht, um es noch die nächsten 6 Monate weiterzuentwickeln, es sieht ganz nach einer PUT Situation aus. Ohne perfektes Produkt kann ich doch nicht verkaufen, ohne Verkäufe fehlt aber das Geld für die letzten Entwicklungsschritte.

Immer wenn du ein neues Produkt entwickelst, oder eine neue Dienstleistung anbieten möchtest, wird es passieren, dass etwas noch nicht perfekt ist.

In den Medien nehmen wir immer die großen Marken wahr, die perfekt inszeniert von den Bildschirmen strahlen. Ein nicht perfektes Design, ein Fehler im Produkt, ein nicht formvollendetes Branding wäre bei den großen Marken wie Apple doch völlig undenkbar.

Weit gefehlt.

Wenn du beginnst zu recherchieren, wie die börsennotierten High-Performer dieser Welt begonnen haben, stößt du schnell auf die Garagen, die in den USA zum Kult geworden sind.

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Du stößt aber auch auf Brands, die mit luxuriösem Interior Design so viel gemein haben wie, ein frisch gepflügtes Kartoffelfeld.

Niemand ist von Anfang an perfekt. Es steht hinter jedem Produkt, hinter jeder Marke und hinter jedem großen Unternehmen ein Entwicklungsprozess.

Klar, ich verfalle auch manchmal ins Träumen, wenn wir an einem neuen Unternehmen arbeiten. Wie cool wäre es, die Entwicklungen der Version 3 schon in den ersten Prototypen vereinen zu können? Würde es dem Kunden gefallen? Bestimmt. Aber es gibt einen Grund, warum die Version 3 eben nun mal die Version 3 ist. Wenn deine Idee gut ist, wird sie einen Markt finden.

Das bedeutet nicht, dass du unfertige Produkte aussenden sollst. Auch nicht, dass du vorgaukeln sollst, etwas zu sein, das du nicht bist.

Fake it till you make it wurde in den letzten Jahren zum Leitspruch vieler New Economy Entrepreneurs. Ein schnelles Auto, eine Rolex und das neueste Smartphone - schon ist der Lifestyle perfekt. Nur weil man ein paar Euro in Kryptowährung investiert hat, ist man noch lange kein Investor und nur weil man ein Praktikum in einer Unternehmensberatung gemacht hat, kein Unternehmensberater.

Verkauf steht im Mittelpunkt

Wenn du ein neues Produkt entwickelst oder eine Dienstleistung anbieten möchtest, sollten ab Tag 1 der Verkauf und Vertrieb im Mittelpunkt deiner Überlegungen stehen.

Ein Branding baut man nicht von heute auf morgen auf. Das braucht Zeit, gutes Marketing, Engagement und Geduld. Selbst wenn dein Produkt morgen perfekt entwickelt ist, werden dir die Kunden vermutlich nicht die Bude einrennen. Nicht weil sie dein Produkt nicht kaufen wollen, sondern weil sie dich gar nicht kennen.

Es gibt verschiedene Methoden, um ein Produkt, das noch nicht ganz fertig ist und ein bisschen Entwicklung bzw. Refreshment braucht, zu verkaufen, ohne deine Kunden zu verärgern oder zu riskieren, dass dir im Entwicklungsprozess das Geld ausgeht:

Pre-Selling:

Pre-Selling bedeutet, dass du Kunden findest, die sich für dein Produkt interessieren und bereit sind, dein Produkt vorab zu kaufen und zu bezahlen, sie dieses aber erst ein paar Wochen bis Monate später geliefert bekommen. Das funktioniert nur dann, wenn dein Produkt einen hohen Innovationsgrad besitzt, oder dein Kunde das Produkt um jeden Preis haben möchte. Ein Produkt, das niemand kennt, wird man so nur schwer verkaufen können. Die neue Spielekonsole auf die Kunden Jahre warten, geht auch im Pre-Selling weg wie warme Semmeln.

Beta-User:

Besonders, wenn dein Produkt oder deine Dienstleistung noch kleine Mängel oder den einen oder anderen unrunden Ablauf hat, eignet sich dieses Modell.

Du suchst hierbei nach Kunden, die bereit sind, dein Angebot exklusiv zu testen. Deine Kunden erhalten deine Leistung deutlich günstiger und profitieren von Neuerungen, wie z.B. Updates, die sie zuallererst erhalten. Als Gegenleistung geben sie dir dafür laufend Feedback.

Besonders geeignet ist das Beta-User-Modell im IT Bereich, also bei Software und Apps.

Crowdfunding/Crowdinvesting

Hast du kein typisches Pre-Selling Produkt, weil deine Reichweite hierfür nicht ausreicht. Dann gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit einschlägigen Plattformen ein Crowdfunding oder eine Crowdinvestingkampagne zu machen.

Crowdfunding:
Hierbei wird dein Produkt mithilfe der Plattform ebenfalls vorab verkauft. Dies funktioniert mit physischen Produkten, zum Teil aber auch mit Leistungen, wie z.B. Übernachtungen oder Abenteuern.

Crowdinvesting:
Beim Crowdinvesting stellen dir die interessierten Plattformuser kleinere bis mittlere Geldbeträge zur Verfügung. Dieses Geld ist jedoch nur geliehen. Die User vertrauen darauf, dass deine Idee ein Erfolg wird und sie ihr Geld sowie Risikozinsen wieder zurückbekommen. Bei höheren Investments gibt es im Normalfall zusätzliche Benefits wie Produkte, Gutscheine usw.

Schuldscheine:
Ein ähnliches System wie das Crowdinvesting, allerdings ohne Plattform sondern eher „old economy“ im Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis, wären Schuldscheine.

Menschen aus deinem Umfeld unterstützen dich finanziell, dafür erhalten sie einen Schuldschein, das wie ein Microkredit ist. Diesen bezahlst du innerhalb eines gewissen Zeitraumes wieder zurück - mit Zinsen versteht sich.

Du siehst, es gibt zahlreiche Möglichkeiten auch mit einem noch nicht perfekten Produkt erste Verkäufe zu machen. Einen letzten wichtigen Ratschlag, den ich dir noch mit auf den Weg geben möchte ist, deine Ansprüche ein kleines bisschen nach unten zu schrauben.

Ich selbst möchte auch immer mit dem perfekten Produkt, in der perfekten Verpackung, auf der perfekten Website mit der tollsten Werbeanzeige aller Zeiten auf den Markt gehen – nur geht das nun mal nicht immer. Und ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass das was für dich heute perfekt ist, in zwei Jahren ein absolutes No-Go sein kann.

Du entwickelst dich weiter und dein Unternehmen entwickelt sich weiter!

Perfekt ist, wenn du deinen Kunden und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellst und jeden Tag dein Bestes gibst! Das ist perfekt genug!

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